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Reiseerkrankungen beim Hund 

aktualisiert Mai 2019 - Dr. Silvia Knof, Tierarztpraxis Schmitten

 

 

 

Vor jeder Feriensaison und bei der Urlaubsplanung stellt sich alljährlich die Frage: „Fährt Fiffi mit in den Urlaub, bleibt er bei Oma oder vertreibt er sich die Zeit in der Hundepension?“

 

Immer häufiger darf dann der Hund mit auf die Reise in den Süden. Unterschätzt wird hierbei allerdings, dass es in Regionen mit mediterranem Klima Erkrankungen gibt, mit denen sich Ihr Tier infizieren kann. Auffällig ist, dass der Informationsstand der Tierbesitzer über diese durchaus unerfreulichen Urlaubsmitbringsel oft zu gering ist. Auch das Importieren von Auslandshunden zählt zu den Gründen, warum auch hierzulande immer mehr infizierte Hunde anzutreffen sind.

Hinzu kommt, dass es bei dem mittlerweile auch bei uns in Deutschland sehr milden Klima Mücken und Zecken und durch sie übertragene Erreger gibt, die es bei uns vor einigen Jahren noch nicht gab.

 

Aber: Infiziert heißt noch nicht krank! Denn nicht jede Ansteckung mit einem Krankheitserreger ruft automatisch eine merkliche Erkrankung des Hunds hervor. Für bestimmte Erreger lauert dadurch eine weitere Gefahr: Tragen Hunde die Krankheitserreger unbemerkt in sich, können sich andere Artgenossen trotzdem bei ihnen anstecken. Solche „heimlich“ infizierten Hunde stellen dann ein sogenanntes „Reservoir“ des Erregers dar – und zwar auch dann, wenn sie sich nicht mehr in einem Risikogebiet aufhalten, sondern wieder zu Hause in Deutschland sind.​

 

 

Unser Ziel ist es, Sie über die Gefahren dieser parasitären Reiseerkrankungen zu informieren und Ihnen die Möglichkeit zu geben, die Gesundheit Ihres vierbeinigen Freundes optimal zu schützen. Unerkannt und unbehandelt können Reisekrankheiten schwere Symptome verursachen oder häufig sogar tödlich verlaufen. Bitte bedenken Sie auch, dass aus südlichen Ländern mit nach Hause gebrachte Hunde diesem Infektionsrisiko besonders ausgesetzt waren.

 

Im Folgenden möchten wir Ihnen ein Bild über die häufigsten Erreger der Reisekrankheiten, deren regionale Ausbreitung in südlichen Ländern, die Überträger und das Aussehen der Erkrankungen geben.

Die Darstellung von Prophylaxe, Diagnostik und Therapie würde hier sicherlich den Rahmen sprengen, sodaß wir dies gerne dem Haustierarzt überlassen möchten.

 

 

 

Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus)

Babesiose

 

Babesien sind Einzeller, die durch den Stich der Auwaldzecke (Dermacentor reticulatus) und der braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) übertragen werden. Sie vermehren sich in den roten Blutkörperchen und zerstören diese dabei. Etwa fünf Tage bis vier Wochen nach der Infektion können bei dieser auch als „Hunde-Malaria“ bezeichneten Erkrankung Krankheitssymptome wie Fieber, Mattigkeit, Appetitlosigkeit mit Gewichtsverlust und Vergrößerung der Lymphknoten beobachtet werden. Es kommt zu Blutarmut, oft zur Gelbsucht und dem Tierbesitzer kann eine dunkle Färbung des Urins auffallen, bedingt durch den Abbau des roten Blutfarbstoffes.

Eine Gefahr für den Menschen geht von den bekannten europäischen Erregern der Hunde-Babesiose nicht aus.

 

Vorkommen der Babesien:

Alle europäisch-mediterranen Länder, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Polen, Tschechien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Schweiz, Portugal, Niederlande und auch mittlerweile Deutschland.

Dermacentor reticulatus (Männchen)
Dermacentor reticulatus (Weibchen)
Phlebotomus mascittii

Leishmaniose

 

Bei Leishmanien (Leishmania infantum) handelt es sich ebenfalls um Einzeller. Auf Mensch, Hund und auch andere Säugetiere werden diese Parasiten durch den Stich von ausschließlich weiblichen Sandmücken übertragen, insbesondere durch die Gattung Phlebotomus perniciosus, ariasi und neglectus. Durch die Leishmaniose können Organschäden an Knochenmark, Nieren, Milz und Leber entstehen. Erst Wochen und Monate nach der Ansteckung im Urlaub treten Krankheitsanzeichen auf. Die Symptome sind vielfältig: immer wiederkehrendes, therapieresistentes Fieber, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust, Durchfall und Erbrechen, allgemeine Schwäche, Schwellung der Lymphknoten und Augensymptome. Haarausfall und Hautveränderungen mit Ekzemen und Entzündungen, Schuppenbildung und kleieartigen Belägen an Ohrrändern, Nasenrücken, Pfoten und anderen Körperpartien, die schwer oder gar nicht heilen, weisen auf ein fortgeschrittenes Stadium der Organleishmaniose hin.

An Leishmaniose erkrankter Hund

In Deutschland erkrankte Hunde haben sich meist im Mittelmeerraum infiziert (Frankreich, Italien, Griechenland; Portugal, Spanien). Auch alle Länder Nordafrikas sind Endemiegebiete.

 

Als Zoonose kann die Leishmaniose durch den Stich der Sandmücke auch auf den Menschen übertragen werden. Ein Risiko, als Mensch zu erkranken, besteht bei immunsuppimierten Erwachsenen und bei Kindern unter fünf Jahren. Schmierinfektionen durch Wundsekret infizierter Hunde wird befürchtet und diskutiert, konnte aber bisher nicht nachgewiesen werden, ebenso die Übertragung einer Leishmaniose von Hund zu Mensch durch Bissverletzungen, Speichel oder Blut. Die Übertragung in der Schwangerschaft von Mutter zum Embryo allerdings wird in der Fachliteratur bestätigt.

Ixodes ricinus (Holzbock)

Ehrlichiose

 

Ehrlichien (Ehrlichia canis) gehören zu den Rickettsien und sind folglich als Bakterien einzuordnen. Nach Übertragung der Ehrlichien durch den Stich der Braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus Abb. s.o.) parasitieren sie intrazellulär in Monozyten (weisse Blutkörperchen). Die Inkubationszeit beträgt 8 – 20 Tage. In der darauf folgenden akuten Phase der Erkrankung erscheinen die Symptome eher unspezifisch: wiederkehrendes Fieber, Schlappheit, Schwäche, Appetitlosigkeit, ggf. stellt der Tierarzt eine Vergrößerung der Milz fest. In den meisten Fällen kann das Immunsystem des Hundes den Erreger nicht ausmerzen und es folgt das zweite, sich oft über Jahre ausdehnende Stadium der Erkrankung. In dieser Phase kann hohes Fieber und eine Vergrößerung der Lymphknoten beobachtet werden. Eine Verminderung der Blutplättchen (Thrombozyten) führt zur Blutungsneigung, die Auslöser für Nasenbluten, Blut in Kot und Urin, Blutungen in Haut, Schleimhäute und Gelenke sowie für Auswurf von blutigem Sekret beim Husten sein kann. Oft liegt ein Auslandsaufenthalt schon Jahre zurück bis diese Symptome des chronischen Stadiums der Ehrlichiose auftreten. Bleibt die Erkrankung dann unbehandelt, kann sie durch die fortschreitende Blutungsneigung tödlich verlaufen.

 

Als infektionsgefährdet sind alle Hunde einzustufen, die aus Mittelmeerländern bis hinauf nach Rumänien, Ungarn und Zentralfrankreich sowie Portugal mitgebracht werden oder dort im Urlaub waren.

Eine prophylaktische, aktive  Impfung ist möglich!

 

 

 

Anaplasmose (Granulozytäre Ehrlichiose)

 

Anaplasmen (Anaplasma phagozytophilum) sind Bakterien, die durch den Stich des Holzbockes (Ixodes ricinus) übertragen werden. Sie befallen eine andere Gruppe von weißen Blutkörperchen als Ehrlichia canis, nämlich die Granulozyten. Die Inkubationszeit ist nicht bekannt. Die Krankheitssymptome sind der oben genannten Ehrlichiose sehr ähnlich, hinzu kommen können Lahmheiten und Gelenkentzündungen und zentralnervöse Störungen durch Blutungen im Gehirn. Allerdings kann die Erkrankung auch sehr unauffällig lediglich mit Fieber einhergehen und manche Hunde können den Erreger gar völlig ausmerzen.

 

Verbreitet ist die Anaplasmose in Schweden, Dänemark, Norwegen, England, Deutschland, Holland, Polen, Ungarn, Österreich, Schweiz, Tschechische Republik, Slowenien, Kroatien, Bulgarien, Frankreich, Nordspanien und Norditalien.

 

 

Borreliose

 

Die Borreliose, auch Lyme-Disease oder Lyme-Borreliose genannt, ist seit 25 Jahren bekannt und trat vor ca. 20 Jahren erstmals auch in Deutschland auf. Sie wird von einer Gruppe von Borrelien hervorgerufen, von welchen in Europa insbesondere Borrelia afzelii und Borrelia garinii, seltener auch Borrelia burgdorferi die sich immer weiter ausbreitende und ernst zu nehmende Erkrankung auslösen. Der Überträger der Borreliose ist bei Mensch und Hund der Holzbock (Ixodes ricinus Abb. s.o.). 24 bis 48 Stunden nach Ansaugen der Zecke erfolgt die Borrelien-Übertragung über die Haut in den Körper des Wirtes. In der Anfangsphase der Erkrankung, die mit unspezifischen Symptomen wie Fieber, Apathie und Appetitlosigkeit einhergeht, wird eine Borreliose als Krankheitsursache oft nicht in Betracht gezogen. Erst lange Zeit später erfolgen Krankheitsschübe mit wechselnden und immer wiederkehrenden Lahmheiten aufgrund von Gelenkschwellungen und –entzündungen. Im Laufe der Zeit führt dies zu chronischen Gelenkschäden und zur Beeinträchtigung der Nieren- und Herzfunktion.

 

Verbreitet ist die Borreliose in ganz Europa.

Eine prophylaktische, aktive  Impfung ist möglich!

 

 

 

Hepatozoonose

 

Der Erreger ist Hepatozoon canis, ein Einzeller, und gehört zu den Kokzidien. Der Überträger der Hepatozoonose ist die Braune Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus Abb. s.o.). Die Infektion wird hier allerdings nicht durch den Stich der Zecke ausgelöst – sie entsteht durch das Abschlucken der gesamten Zecke und gelangt auf diesem Wege in den Darm des Hundes. Hier beginnt der Entwicklungszyklus der Hepatozoen. Im Verlauf der Erkrankung erreichen sie über das Blut den gesamten Organismus und schädigen Milz, Leber, Nieren, Knochenmark, Lymphknoten und weisse Blutkörperchen (Leukozyten). Die Symptome und deren Intensität sind vielgestaltig. In vielen Fällen sind Krankheitsanzeichen nicht wahrnehmbar. Es kann aber auch zu Fieber, Lymphknotenschwellungen, Appetitlosigkeit und Abmagerung, Nasen- und Augenausfluss, Blutarmut, Brechdurchfällen, steifen Gang durch Muskelschwäche und Knochenschäden kommen. Im schlimmsten Fall kann der Hund an den Folgen von Organschäden sterben.

 

Die Hepatozoonose ist insbesondere in Portugal, Südspanien und auf den Kanarischen Inseln verbreitet. Das Vorkommen in Griechenland, Frankreich und Spanien ist seltener.

Es wird angenommen, dass die Verbreitung des Erregers aus Afrika über den Seeweg in die Mittelmeerländer erfolgt.

 

 

 

Dirofilariose

 

Die Dirofilariose hat zwei Erscheinungsformen:

  1. die kardiovaskuläre Form, auch Herzwurmkrankheit genannt, wird hervorgerufen durch den Erreger Dirofilaria immitis

  2. die kutane oder Hautform der Dirofilariose, bei welcher der Erreger (Dirofilaria repens) im Unterhautgewebe lebt.

 

Interessant ist hier insbesondere die Herzwurmkrankheit. Stechmücken sind die Überträger von fortgeschrittenen Larvenstadien der Herzwürmer auf den Hund. Während ihrer weiteren Entwicklung wandern die Herzwurmlarven von der Haut über die Muskulatur zu Vorderbauch, Brusthöhle, Nacken, Vordergliedmaßen und Kopf und dringen von hier in große Blutgefäße und das Herz des Hundes ein, wachsen zum fertigen Herzwurm heran und leben und vermehren sich hier. Die Inkubationszeit beträgt oft mehr als ein halbes Jahr. Erste Krankheitsanzeichen treten dementsprechend auch erst Monate nach der Infektion auf. Sie sind abhängig von der Anzahl erwachsener Herzwürmer und deren Lokalisation. Je nach Verstopfungsgrad und Einschränkung der Funktion von Herz und Blutgefäßen kommt es zu Atemnot, chronischem Husten, Abnahme des Körpergewichts, Leistungsschwäche und Blutarmut, Leber- und Nierenschäden und Schock.
 

Dirofilariosegefährdet ist der gesamte Mittelmeerraum, Südeuropa und Nordafrika.

 

Sicherlich denken Sie nun nach dieser Lektüre über neue Reiseziele nach. Oder über Urlaub auf Balkonien. Möglicherweise wäre ja auch ein Hunde-Sitter nicht schlecht…

 

Wenn Sie Ihren Hund möglichst umfassend schützen möchten, ist unser Rat, ihn erst gar nicht in die besagten Risikoländer mitzunehmen. Sicherlich gibt es Medikamente, die Sie vor, während und nach dem Urlaub verabreichen können. Hierbei soll in erster Linie zunächst einmal vor dem Befall mit blutsaugenden Parasiten geschützt werden. Es gibt Stoffe mit abschreckender Wirkung und solche, die Zecken abtöten, bevor diese den Erreger auf den Hund übertragen können. Im Weiteren finden Präparate Anwendung, die ähnlich der Malariaprophylaxe beim Menschen eingesetzt und auch als Therapie nach einer Infektion mit bestimmten Erregern genutzt werden.

 

Aber es bleibt zu sagen:

Einen absoluten Schutz gegen diese gefährlichen parasitären Infektionserkrankungen gibt es (noch) nicht!

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© Tierarztpraxis Schmitten im Taunus, Dr. Silvia Knof